Wofür wir stehen

Werdau ist eine große Kreisstadt im sächsischen Landkreis Zwickau. Die SPD ist hier durch einen Ortsverein vertreten, in dessen Zuständigkeitsbereich auch die Gemeinden Fraureuth, Langenbernsdorf und Lichtentanne gehören. In Werdau, Fraureuth, Langenbernsdorf und Lichtentanne leben etwa 34.000 Menschen. Werdau braucht eine starke Sozialdemokratie. Dem stellen wir uns, indem wir eine Initiative zur Stärkung unserer Partei starten. 

Werdau und der Landkreis Zwickau

Das Hauptproblem aller Gemeinden im Landkreis Zwickau – und nicht nur dort – ist die zunehmende Überalterung. Am Ende der DDR-Zeit hatten viele Leute das Vertrauen in eine Zukunft in ihrer Heimat verloren und gingen nach Westdeutschland. Wegen des mit der Wende verbundenen wirtschaftlichen Zusammenbruchs der maroden DDR-Betriebe und der daraus resultierenden Massenarbeitslosigkeit empfanden politische Akteure die Abwanderung mehr entlastend als bedrohlich. Schließlich führte das zu sinkenden Arbeitslosenzahlen. Dabei ignorierte man die langfristigen Auswirkungen. Weil überwiegend junge Familien Ostdeutschland verließen und es zudem zu einem massiven Einbruch der Geburtenzahlen kam, fehlt uns heute die Generation der 20- bis 50-jährigen. In Folge sinken die Geburtenzahlen weiter. 

Offenbar ist den sächsischen Metropolen Leipzig und Dresden die Lösung des Knotens gelungen. Auch sie mussten bis Anfang der 2000er Jahre einen deutlichen Bevölkerungsrückgang hinnehmen, haben dann aber durch massive Investitionen in Kultur, Forschung, Bildung und auch Eingemeindungen die Trendwende geschafft. Sie sind zum Magneten für junge Menschen geworden. Leider verstärken sich dadurch die Probleme im Umland. Wer in Leipzig oder Dresden studiert hat, möchte gern dort bleiben, viele kehren nicht in ihre Heimat zurück.  Auch in wirtschaftlicher Hinsicht haben die beiden Städte die Weichen besser gestellt. Während die Wirtschaft im Kreis Zwickau einseitig auf die Automobilindustrie ausgerichtet wurde, investierte man in Leipzig mit der Bio-City und in Dresden mit der Chipindustrie in Zukunftsbranchen.

Die Automobil- und deren Zulieferindustrie haben uns im Landkreis Zwickau viele Jahre getragen und zu Steuereinnahmen geführt. Dafür wurde ein Gewerbegebiet nach dem anderen zur Ansiedlung von Zulieferbetrieben errichtet, die die Steuereinnahmen steigen ließen. Besonders in den wirtschaftlich starken Jahren ab 2010, in denen die deutsche Automobilindustrie boomte, war dieses Modell sehr erfolgreich. 

Nicht zuletzt durch die hohen Löhne und Gehälter, die in diesen Unternehmen gezahlt werden, verschärfte sich jedoch auch die Fachkräfteproblematik für  kleinere und mittlere Firmen. Ihre Entwicklung wurde durch den Verlust von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern , die in die Automobilbranche wechselten, behindert. Außerdem bemühte man sich aus politischer Sicht zu wenig um Alternativen.

Das böse Erwachen kam mit den Krisen der 2020er Jahre: Corona, Ukraine-Krieg, zusammenbrächende Märkte durch den Wandel Chinas vom Importeur zum Exporteur und die damit verbundene Einschnitte für die Automobilindustrie. Die Krise des Volkswagen-Konzerns ist in unserer Region allgegenwärtig.  

Die SPD in Südwest-Sachsen

Die SPD hat in Südwest-Sachsen an Bedeutung verloren. Keiner der 25 hauptamtlichen Bürgermeister gehört ihr an, sie stellt kaum noch Stadt- und Gemeinderäte. Wir konnten weder bei der Landtagswahl 2024 noch bei der Bundestagswahl 2025 ein Mandat erringen und haben deshalb weder eine Stimme im Sächsischen Landtag noch im Deutschen Bundestag.

Wenn wir die Probleme der SPD im Landkreis Zwickau allein mit den Veränderungen in der politischen Landschaft, dem Erstarken rechter Parteien und Gruppierungen oder der Position der SPD in der Landes- bzw. Bundespolitik begründen, machen wir es uns zu einfach. Vielmehr müssen wir bei uns beginnen, unsere Stärken und Schwächen diskutieren und herausfinden, welche Beiträge wir zu einer dringend notwendigen Trendwende leisten können.

Offenkundig ist, dass wir kaum noch als politische Kraft wahrgenommen werden. Aus Mangel an geeigneten Bewerbern stellen wir bei Wahlen auf regionaler Ebene kaum noch Kandidaten auf.  Entsprechend schwach ausgeprägt sind unsere Wahlkämpfe.  Und ohne politische Ämter sinken unsere Einnahmen.

Genau dieses Problem haben wir im Ortsverein Werdau. Es fehlt uns an Unterstützern und Mitgliedern, die ein politisches Amt übernehmen wollen. Weder bei der Wahl zum Bürgermeister in Fraureuth am 22. März 2026 noch zur Oberbürgermeisterwahl in Werdau am 10. Mai 2026 konnten wir eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten präsentieren. 

Unsere Ziele

1. Stärkung der Sozialdemokratie

Obwohl es für die SPD zur Zeit nicht gut läuft, haben wir etwas zu bieten.  Die drei Buchstaben SPD stehen nach wie vor für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Wir sind die deutsche Partei mit der längsten Historie.

Unser Name hat einen hohen Markenwert, er polarisiert. Kandidaten, die für die SPD antreten, werden politisch eingeordnet. Das vereinfacht die Kommunikationsstrategie und vergrößert die Chancen auf Erfolg. 

Wir  suchen Unterstützer und freuen uns über jede und jeden, die oder der mitarbeiten möchte. Wenn Sie für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Solidarität eintreten und ein politisches Amt anstreben, sind Sie bei uns richtig. Sie zieht es in die Lokal-, Landes- oder vielleicht sogar Bundespolitik?

Lassen Sie uns ins Gespräch kommen, wir freuen uns auf Sie.

2. Migration und Integration

Ein Blick auf die Altersstruktur unserer Bevölkerung zeigt, dass wir unser demographisches Problem nur durch Zuwanderung lösen können. Unabhängig davon, ob wir eher offen für Migration sind oder diese kritisch sehen, steht fest, dass wir unseren Lebensstandard aus eigener Kraft nicht halten können. Das erkennen wir, wenn wir die Arbeitskräfte mit ausländischen Wurzeln in einem Pflegeheim zählen oder uns überlegen, wie viele Busse ohne sie nicht fahren würden. Wir lesen es, wenn Betriebe Lehrstellen nicht besetzen können und gut gehende Firmen geschlossen werden müssen, weil deren Inhaber keine Nachfolger finden.

Es irrt, wer meint, dass sich unser Defizit an Fachkräften durch Ausländer ausgleichen lässt, die ihre Familien zu Hause lassen und nach getaner Arbeit wieder weg sind. Das funktioniert vielleicht dort, wo Spitzengehälter gezahlt werden, bei uns ist das nicht so.

Man kann die Situation mit dem Spitzensport vergleichen. Die reichsten Vereine verpflichten die besten Spieler, die anderen müssen Talente aufbauen und ihnen Aufstiegsmöglichkeiten anbieten. Genau das sollten wir mit den Menschen tun, die zu uns kommen oder bereits gekommen sind. Wir müssen sie schnell integrieren, ihnen Arbeit verschaffen und auch ihren Familien eine neue Heimat geben. Sonst wandern die Talente, die in die Sozialsysteme einzahlen, in andere Regionen ab, und es bleiben diejenigen zurück, die weniger konkurrenzfähig sind.

Die Integration der Familien bringt uns einen weiteren Vorteil: Wer nur zum Geldverdienen zu uns kommt, schickt seine Ersparnisse nach Hause, wer seinen Lebensmittelpunkt bei uns sieht, gibt das verdiente Geld hier aus. 

Uns muss bewusst sein, dass die Integration von Menschen ein aufwendiger und langer Prozess ist, der sich nicht durch einige Sonntagsreden und die Anschaffung von einigen Computern ersetzen lässt. Dennoch lohnt es sich.

3. Bildung und Wirtschaft

Die Hoffnung einer öffentlichen Wirtschaftsförderung besteht darin, dass man mit staatlichen Mitteln, das heißt Steuergeldern, eine Anschubfinanzierung leistet und hofft, dass nachfolgende Steuereinnahmen höher ausfallen als die Anschubfinanzierung. Die dabei entstehenden Arbeitsplätze sollen zudem Menschen anziehen, deren Bedürfnisse zu einem zusätzlichen Aufschwung der regionalen Wirtschaft führen. 

Im Kreis Zwickau haben wir uns einseitig auf die Automobilindustrie und deren Zulieferer konzentriert. Damit ist es uns zunächst gelungen, Geld in die Region zu holen. Die Hoffnung auf den Zuzug junger Leute hat sich jedoch nicht erfüllt, wir altern dramatisch. 

Trotz der vielen Fördermittel haben weder VW noch deren Hauptzulieferer ihre Verwaltungs-, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in den Kreis Zwickau verlegt. Das Knowhow ist weitestgehend in deren Zentralen geblieben, zu uns kam im Wesentlichen die Produktionslogistik. Wie das Beispiel GKN zeigt, die ihr Werk in Zwickau geschlossen und die Produktion nach Felsőzsolca in den Nordosten Ungarns verlagerten, sind wir austauschbar.

Wegen der einseitigen Ausrichtung der Tätigkeitsfelder sind die frei werdenden Arbeitskräfte schwerer vermittelbar. Das macht die politischen Entscheidungsträger erpressbar. Wie sollen sich Landespolitiker entscheiden, wenn sie vor die Frage „Weitere Millionenzahlungen oder Werksschließung“ gestellt werden?

Um in dem sich abzeichnenden Abschwung nicht wieder in diese Sackgasse zu laufen, wollen wir unsere Förderpolitik neu ausrichten. Unternehmen sollen durch ein hohes Potential an gut ausgebildeten Arbeitskräften und eine gute Infrastruktur und nicht  durch Geldgeschenke angezogen werden. Das wollen wir durch öffentliche Investitionen in Bildung, Forschung, Kultur und Infrastruktur mit dem Ziel erreichen, dass Menschen aller Altersgruppen in Südwestsachsen für sich und ihre Familien bessere Entwicklungsmöglichkeiten sehen als in anderen Regionen.

Zur Finanzierung wollen wir die Mittel für die direkte Wirtschaftsförderung kürzen. 

Wie wollen wir unsere Ziele erreichen?

1. Uns öffnen, um Unterstützer und Mitglieder werben

  • Regelmäßige öffentliche Veranstaltungen
  • Plakate
  • Hemmschwelle für Interessenten senken (raus aus der Kneipe)
  • perspektivisch eigenes Büro eröffnen

2. Allianzen bilden und Kooperationen suchen

  • VertreterInnen von Vereinen und und Bewegungen mit politischen Zielen ansprechen
  • Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausloten
  • gemeinsam öffentlich in Erscheinung treten
  • … 

3. Eigene Kandidaten mittel- und langfristig aufbauen

Es reicht nicht, wenn wir bis kurz vor der nächsten Wahl warten und uns dann überlegen, ob wir eigene Kandidaten aufstellen oder doch wieder nur Fremde unterstützen. Erfolgreich können wir nur sein, wenn wir uns auf potentielle Kandidaten aus den eigenen Reihen und noch zu suchende Interessenten einigen und diese längerfristig aufbauen. Deren Bekanntheitsgrad ist dann zu erhöhen:

  • Namen mit Gesichtern verbinden
  • Geschichten erzählen, über die man sich mit den Kandidaten identifizieren kann
  • regelmäßige Postings veröffentlichen
  • Bilder veröffentlichen, die zeigen, dass unsere Kandidaten allgemein akzeptiert sind und eine hohe Reputation genießen
  • …  
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